Wollefest 2016

Letztes Wochenende waren wir mal wieder im Himmel. Der befand sich in Leipzig in der Neuen Messe, Glashalle.

Glashalle LeipzigZwei Tage Wollefest, das bedeutet zwei Tage Stricken, Wolle ansehen, Wolle kaufen, Lach- und Sachgeschichten, Strickparties und viele nette Begegnungen mit alten und neuen Freunden.

Meine Mutter und ich sind schon Freitag angereist, denn wir hatten wieder unsere Ecke im „Business Center“ für unser Hilfsprojekt „Knit2Help“.

Knit2Help-Stand

Knit2Help-Stand

Da wir letztes Jahr schon an der gleichen Stelle den Stand hatten und nun mit den Örtlichkeiten vertraut waren, fiel unsere Ausrüstung entsprechend professionell aus. Wichtigstes Objekt war diesmal eine Kaffeemaschine. Auf der Messe gibt es zwar zwei Kaffeestände, aber 2,90 Euro für einen Kaffee war uns doch zu teuer und wenn man einen Tresen mit Strom und Wasser direkt vor der Nase hat, ist das Kaffeekochen ein Kinderspiel. Außerdem hatten wir Nudelsalat und „Gehackskließle“ und Getränke dabei – einen Kühlschrank gibts nämlich dort auch.

Karin von „Faden und Spiel“ sowie die ganzen anderen Workshopleiterinnen hatten ebenfalls ein ordentliches Sortiment an Essen und Trinken dabei, wie man hier unschwer erkennen kann.

Die Pausenversorgung ist gesichert © Faden und Spiel

Die Pausenversorgung ist gesichert © Faden und Spiel

Nach den Irrungen und Wirrungen des letzten Jahres lief es diesmal sehr geordnet und reibungslos ab. Es waren einige neue Händler und Aussteller mit interessanten Angeboten dabei und natürlich auch wieder viele bekannte Gesichter. Man gerät leicht in einen Farbenrausch:

IMG_0207 IMG_0202 Dye for YarnInclusio InclusioNachdem ich nun schon fünf Jahre in Folge auf dem Wollefest war (und immer noch Restbestände der vergangenen Jahre habe), war ich doch zurückhaltend und habe auch sehr selektiv eingekauft. Ich habe bei mir festgestellt, dass ich auch kritischer werde, was Färbungen und Farben angeht und querbeet einkaufen ist einfach zu teuer. Deshalb sind es recht wenige – die Angora Merino habe ich eigentlich nur mitgenommen, weil sie im Sonderangebot war (sie ist sehr weich für Stulpen, Edelsocken oder eine Mütze). Von der Bambus-Wolle von Inclusio geht sicher noch etwas an Kerstin. Das ist ein tolles Garn und perfekt für Sommer-Tücher geeignet. Bleiben also noch ein Strang von Farbularasa, einer von Strick-Lilly (beide für die nächsten Claire Ellen-Teststricks) sowie ein großer und ein kleiner Abroller und zwei Taschen. Einziger „Lustkauf“ waren die zwei türkisen Holst-Stränge. Bei der Farbe konnte ich nicht widerstehen. Es wird ein Tuch. Mein Wollgewissen ist somit (fast) rein 🙂

Beute 2016

Beute 2016

Fast noch wichtiger als das Einkaufen sind die vielen Inspirationen und Modelle. In diesem Jahr war der „Doodler“ von Stephen West allgegenwärtig. Fast an jedem Stand hing ein solches Tuch. Auch sonst sah man wieder Kunstvolles und Kurioses, Schick und Schabby, akkurat und abenteuerlich gestricktes,  einfaches und extravagantes. Sehen und gesehen werden, schaulaufen und seine Strickmodelle der Welt präsentieren – dafür muss man nicht zur Berliner Fashionweek, sondern mal aufs Wollefest kommen.

Am allerwichtigsten sind aber die Begegnungen mit anderen Strickern, das Wiedersehen mit alten Freunden, neue Bekanntschaften zu schließen und vor allem: sich über das liebste Hobby austauschen.

Nicht stören - Experten unter sich!

Nicht stören – Experten unter sich!

Wir haben leider nicht sehr viel verkauft – nur insgesamt 3 Tücher, aber trotzdem war das Wochenende ein herrliches Erlebnis und deshalb heißt es: Nach dem Wollefest ist vor dem Wollefest!

Happy knitting!

 

 

 

 

Advertisements

Valentinstag

In drei Tagen ist es mal wieder soweit und alle Blumenverkäufer, Pralinenhersteller und Restaurants freuen sich über die ersten Rekordumsätze des Jahres.

Der Valentinstag geht eigentlich auf die christlichen Märtyrer Valentin von Termin oder Valentin von Viterbo zurück, die beide durch Enthauptung starben. Das könnte man romantisch finden, wenn in den Märtyrergeschichten irgendeine Frau vorkommen würde (oder die beiden Valentins zur gleichen Zeit und am gleichen Ort in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft gelebt hätten). Im Laufe der Jahrhunderte wurde eben der Tag der Liebenden daraus.

Warum auch nicht, schließlich gibts ja auch den Tag der Jogginghose, den Tag des Kaffees und den Tag des Haustiers, um nur einige zu nennen.

Und Blumen und Pralinen oder eine Einladung in ein schönes, romantisches Restaurant mit gutem Essen und gutem Wein – wer kann dazu schon „nein“ sagen? Außer, man ist allergisch oder auf Diät, dann tut es auch ein Wellnesswochenende, eine Kreuzfahrt oder ein neues Cabrio. So wählerisch muss man nicht sein.

Eigentlich gehts ja um die nette Geste und im englischsprachigen Raum ist der Ausdruck „Be my Valentine“ nicht unbedingt nur für verliebte Pärchen reserviert, sondern man kann auch der besten Freundin oder einer lieben Tante einen Valentinstagsgruß zukommen lassen. Auf Facebook war ein schöner Spruch: „Verschenke doch lieber mal Liebe und Respekt“. Da ist natürlich was dran.

Valentinstag erinnert mich immer an Beate, eine ehemalige Arbeitskollegin. Sie hatte einige Zeit in Amerika gelebt und liebte nicht nur „Thank you“-Notes, also kleine Zettelchen mit netten Worten, sondern vor allem den Valentinstag.

Also wurde der 14. Februar zu einem der Hauptfeiertage im Schüleraustauschbüro erklärt. (weitere waren übrigens Thanksgiving, Arrival day und Departure Day. Die beiden letzteren bestimmten immer den Zyklus des Stipendienprogrammes, wo die Amerikaner in Deutschland ankamen und wieder heimflogen).

Beate fing also schon Anfang Februar an, uns regelmäßig daran zu erinnern, dass bald Valentinstag ist und das es ja schön wäre, sich was zu schenken.

Ich erinnere mich an ein Jahr, in dem wir unzählige Karten von amerikanischen Austauschschülern bekamen, denen Beate natürlich auch schon im Vorbereitungsseminar mitgeteilt hatte, dass sie Valentinstags-Fan ist (und wahrscheinlich in jeder Email, die zwischen Neujahr und dem 13. Februar verschickt wurden).

Ich denke, die meisten der Schüler mochten sie wirklich gern, ein paar werden aber auch versucht haben, damit einige kleinere Verfehlungen auszubügeln, die wir als Austauschorganisation hätten ahnden müssen. Egal, Hauptsache, es kamen viele Valentinstagsgrüße an.

Ein anonymer Blumenstrauß ging ebenfalls ein, wahrscheinlich auch von einem der heißblütigen jungen Neu-Mexikaner, die alle auf Beate flogen.

Es gab rote Herzchendekorationen, Erdbeertörtchen und Kekse in Herzform und als Höhepunkt romantische Duft-Teelichte. Diese musste ich vorab auf dem Balkon lagern, sonst hätte ich sie nicht ertragen können und auch im Büro waren sie doch etwas zu viel des Guten.

Es war ein wirklich schöner und romantischer Tag für uns alle, der in den folgenden Jahren (warum auch immer) so nicht wiederholt wurde. Trotzdem habe ich immer am 14. Februar ein kleines bisschen von dem Valentinsgefühl und eine schöne Erinnerung daran, dass wir guten Zeiten als Kollegen hatten.

Ich weiß nicht, wo Beate heute arbeitet, aber vielleicht finde ich sie irgendwo im Internet und schicke ihr mal eine Valentinstagskarte – darüber freut sie sich sicher!

Happy Valentine’s Day!

 

 

Ein Genie beherrscht das Chaos

Ich bekomme nach längerer Zeit heute nachmittag mal wieder Besuch bei mir zu Hause. Ein Bekannter, mit dem ich Internetsachen mache, kommt erstmalig vorbei. Grund genug, mal wieder aufzuräumen. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass ich ein wirklich unordentlicher Mensch bin.

Freunde und Bekannte, die schon mal bei mir waren, werden aber das Gegenteil behaupten. „Bei dir ist so schön aufgeräumt“ oder „Man merkt, dass du keine kleinen Kinder hast“. Deshalb bin ich aber kein ordentlicher Mensch, sondern nur talentiert darin, meine Wohnung präsentabel zu machen. Das funktioniert aber nur, wenn der Besuch angekündigt wird. Mit 1-2 Stunden Vorlauf (und einem unzugänglichen Zimmer) kann man richtig viel Eindruck schinden, indem man einfach alles zusammenrafft und auslagert. Dann noch eine nette Tischdecke, ein paar Blumen, die Sofakissen aufschütteln und – Voila, der Besuch kann kommen.

Zwischen „präsentabel“ und „ordentlich“ besteht also ein gravierender Unterschied. Präsentiert wird der schöne Schein, ordentlich wäre es, wenn jedes Ding seinen Platz hätte und nach Gebrauch direkt weggeräumt würde.

Das kann ich leider nicht (und meine Mutter übrigens auch nicht). Ich bin bis zu einem gewissen Grad chaosresistent – es stört mich nicht, wenn das Sofa langsam mit Wolle zuwächst (Solange meine Ecke frei bleibt), sich im Schlafzimmer Klamotten stapeln oder in der Küche ein paar Konservendosen den Küchentisch verschönern. Auch Wollkörbe kann ich im Arbeitszimmer gut ab – man muss nur drübersteigen. (ist ja Sport).

Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Messie, denn Schmutz mag ich nicht oder angegammeltes Geschirr usw. steht bei mir auch nicht herum. Es ist einfach nur unordentlich. Ich räume regelmäßig auf, dazwischen wächst und wuchert es wieder zu.

Zwei oder dreimal ist es mir allerdings passiert, dass unangemeldet Besuch kam und die das komplette Ausmaß meiner Unordentlichkeit zu Gesicht bekamen. Das war zugegeben sehr peinlich und ich habe innerlich Besserung gelobt. Lang angehalten hat es jedoch nicht.

Da mein Bekannter ein Mann ist, wird er sicher viele Sachen gar nicht so sehen (zum Glück) bzw. interessiert ihn mein Wollkorb wohl weniger, als es z.B. seine Frau interessieren würde. Also reicht „Präsentabel Stufe 2“ aus – ein bisschen bewohnte Unordentlichkeit, alles Wesentliche sicher im Nebenzimmer verstaut.

Am Wochenende gehen wir dann mal zu „Ordentlich Stufe 3“- also Klamotten sortieren, herumstehendes wegräumen, aber nicht in die Tiefe der Schränke gehen. Wenn der nächste Hilfstransport in Richtung Rumänien geht, gehe ich zu „Ordentlich Stufe 2“ über und miste mal den Kleiderschrank aus. Für „Ordentlich Stufe 1“ müsste ich meine Wohnung mal renovieren.

Das geht aber für einen normalen Besucher etwas zu weit, oder? Staubsaugen reicht auch!

 

 

Vegetarisch oder was?

Gestern wurde mal wieder in den Nachrichten verkündet, dass der Konsum von zuviel Wurst gesundheitsschädlich ist. Ach, wirklich?

Das ist eine bahnbrechende Neuigkeit, denn bisher wusste niemand, dass in unserer Wurst viel Salz, Fett, Farbstoffe und jede Menge andere Chemie enthalten ist. Kalbsleberwurst enthält kaum Kalbfleisch und auch keine Leber, die von meinem Neffen so geliebte Putenbrust ist eigentlich Pressfleisch, die mit irgendwelchem Collagen zusammengeklebt werden. Naturbelassen? Was ist das?

Die Vegetarier, Veganer und Frutarier freuen sich und sagen: „Atsch – wir kriegen mal viel länger Rente als ihr“. Das mag sein, wenn ihr alle Selbstversorger auf ungedüngtem, von Schadstoffen in Boden und Luft werdet, die alles einlagern und bitte im Winter nur Sauerkraut, schrumpeligen Äpfeln und Kartoffeln leben.

Ich habe nichts gegen vegetarisches Essen, ganz im Gegenteil. Heute hatte ich vegetarische Frikadellen (fertig vom Discounter, wo es eine erstaunlich große Auswahl an „Veggie“-Gerichten im Kühlregal gibt). Veggieschnitzel, Veggiefrikadellen, Veggiewürstchen – alles wird optisch und geschmacklich an die Fleischvorbilder angepasst. Eine Illusion.

Warum eigentlich? Warum müssen die Sojabratlinge „Frikadellen“ heißen? (frz.fricadelle „Fleischklößchen“, zu frz.fricandeau „gebratene, gespickte Scheibe Kalbfleisch“).  Es wird also suggeriert, es handele sich um einen Bratling aus Fleisch. Ebenso wird doch bei dem Wort „Würstchen“ eigentlich auf Wurst, also vermengtes Fleisch, hingewiesen.

Würdigt das nicht die Gerichte zu einer Fälschung herab, die eigentlich immer enttäuschen muss? Ich denke, das ist das Problem – der Name und die Optik wecken eine bestimmte Erwartungshaltung. Warum muss es auch schmecken wie das Fleischvorbild?

Vielleicht sollte man anfangen, eigenständige Gerichte zu kreieren und ihnen andere Namen zu geben, dann steigt auch die Akzeptanz. Es ist nämlich ganz lecker, mal vegetarischen Ersatz zu essen, wenn man nicht im Kopf ständig des Vergleich mit dem Fleischgericht zieht.

Mahlzeit!

 

 

 

 

 

 

 

Kleider machen Leute

Habt ihr gestern die royale Hochzeit in Stockholm gesehen? Es war sooo romantisch, das man sich fast eine Monarchie in Deutschland wünscht, nur um solche schönen Hochzeiten, Taufen, Inthronisierungen und Paraden zu erleben.

Und was sahen alle schön aus! Wunderbare Kleider, Uniformen, hier und da ein kleiner Orden und eine Schärpe, dazu funkelnde Diademe – eine echte Augenweide. Und mal ehrlich, Maxima oder Prinzessin Victoria in einem schlichten Cocktailkleid, einem Hosenanzug oder gar Jeans, das geht zu solch einem Anlass einfach nicht. Dafür gibt es klare Etikette und es wird sich daran gehalten.

Heute morgen bei uns im Gottesdienst war dann das totale Kontrastprogramm – ein junger Mann in Dreiviertel-Baggypants und T-Shirt mit irgendeinem Festivalaufdruck beim Abendmahl Muss das sein?

Vielleicht bin ich etwas spießig oder konservativ, aber ich finde, dass es in letzter Zeit vielen vor allem jüngeren Leuten einfach an der Fähigkeit mangelt, sich dem Anlass entsprechend anzuziehen. Da sieht man karierte „Jack-Wulfskin“-Outdoorhemden oder „Camp David“ T-Shirts auf Omas Familienfeier oder eben Baggypants oder Sandalen (mit weißen Socken) beim Gottesdienst.

Keiner verlangt, dass man sich in Frack und Fummel wirft, aber ist es nicht eine Frage des Respekts der Oma oder der Gemeinde oder wem auch immer gegenüber, dass man sich ordentlich anzieht? Eine ordentliche lange (Stoff)-Hose und ein Oberhemd (möglichst ohne die hässlichen Rundrum-Aufdrucke und Stickereien) sollte jeder Mann doch im Schrank haben. Hemden gibts übrigens auch bügelfrei.

Und übrigens, liebe Männer: Frauen finden einen gepflegten Mann im gutsitzenden Anzug sehr anziehend.

Also, gebt euch mal ein bisschen mehr Mühe!

Freude

Letzten Freitag, kurz nach Mitternacht. Soeben wurde bekannt gegeben, dass Hans Sarpei (verdient) Dancing Star 2015 bei Let’s Dance geworden ist. Hans springt wie verrückt herum und wirft sich erstmal auf den Boden. Das machen Fußballer so. Normalerweise springen jetzt seine 10 bis 15 Mannschaftskameraden, der Trainer, der Physiotherapeut und wer sonst noch so rumsteht, alle auf ihn drauf, Bei Lets Dance sprang keiner und Hans wurde recht schnell wieder in die Senkrechte befördert und freute sich so weiter.

Ich sagte zu meiner Mutter: „Der kann sich so richtig freuen“. Die Szene geht mir seit zwei Tagen nicht aus dem Kopf. So richtig freuen, können das wirklich nur Sportler im Moment des Triumphes oder Oscar-Gewinner, die in Tränen ausbrechen?

Können wir bzw. kann ich mich über irgend etwas so richtig freuen? Ich freue mich eigentlich recht oft – wenn mir etwas gut gelingt, wenn ich mein Tagesziel erreicht habe oder auch, wenn ich einen schönen Moment erlebe. Zugegeben werfe ich mich dann nicht vor Freude auf den Boden oder springe in die Luft, aber die Freude gibt Energie und eine gewisse Beschwingtheit.

Manchmal fällt es mir schwer, mich an kleinen Dingen „groß“ zu freuen – vielleicht ist vieles einfach zu selbstverständlich. Dabei gibt es so viel Schönes und eigentlich zählt auch nur der Moment. Wer weiß schon, was morgen ist. Deshalb möchte ich mich sofort freuen können und es nicht auf später aufschieben.

Das geht leider vielen so – ich habe bei meinen Neffen (6 und 10) bisher nur ganz selten mal echte, anhaltende Freude über etwas gesehen. Schade .. als Kinder waren mein Bruder (der Vater der beiden) und ich eigentlich leicht zu begeistern und wir freuten uns auf die wöchentliche „Captain Future“-Folge, einen schönen Nachtisch oder einfach darauf, am Wochenende mal lang schlafen zu können. Heute steht alles zu jeder Zeit zur Verfügung, egal ob Fernsehprogramm oder Pudding. Lang schlafen ist auch nicht mehr spannend, wenn man statt dessen auf dem Computer daddeln kann.

Um mich daran zu erinnern, mich zu freuen, schreibe ich jeden Tag mindestens drei Dinge auf, über die ich mich gefreut oder die mich begeistert haben. Das hilft schon ungemein.

Und ich freue mich darauf, wieder nach Afrika zu reisen und dort einigen Kindern Puppen und Schulsachen mitzubringen. Die können sich nämlich noch richtig freuen!

Sprechen Sie sächsisch?

Mit Dialekten ist es ja so eine Sache. Entweder man mag es oder findet es ganz schrecklich. In den letzten 20 Jahren wurde sächsisch eher mit scheußlich assoziiert, heute ist es fast schon Kult. Uns „Eingeborenen“ fällt es eigentlich nicht so auf, denn hier sprechen alle irgendwie Dialekt – ob das klassische „Dräsdn“ oder „Leipsch“-sächsisch oder das melodiösere Erzgebirgisch und Vogtländisch, die sich ans Fränkische und Bayrische annähern. Hier spricht keiner Hochdeutsch – und wenn, dann sagen alle: „Dr red fein“.

In meinen Jahren in den „gebrauchten Bundesländern“ wurde ich wegen meines erzgebirgischen Dialektes häufig ausgelacht bzw. fand man das immer so „niedlich“. Das nervte ordentlich, denn ich wollte nicht, dass mein Chef den (im Dialekt geführten) Telefonaten mit meiner Mutter lauschte oder, was noch schlimmer war, dass ich nachgeäfft wurde. Es war mir nicht direkt peinlich, aber irgendwie gewöhnte ich mir viele Dialektworte ab.

Auch im Erfurter Callcenter war Dialekt verpönt bzw. wurden besonders hartnäckige Heimatsprachler zum Logopäden zitiert, der die korrekte Aussprache von „ägyptischen Tempeln“ mit den Telefonisten übte. Darüber hatte sich nämlich mal ein Kunde aus dem Ruhrgebiet beschwert, der „ägibdische Dembel“ nicht verstand. (schade, dass ich diesen Herrn nicht am Telefon hatte, sonst hätte ich mir mal erklären lassen, warum in Nordrhein-Westfalen alle „nach Aldi“ oder „hömma“ sagen und ob das so korrekt ausgesprochen wird?).

Eine weitere Todsünde war das beliebte Wort „Tschüssi“. Das ging gar nicht und wurde sofort abgestraft. Komischerweise ertappe ich mit heute dabei, dass ich es ziemlich oft verwende, aber ich arbeite ja auch nicht mehr in Moers, Köln oder Erfurt.

Spätestens seit dem letzten Besuch meiner Freundin aus Bremen ist mir klar geworden, dass sächsisch wirklich Kultstatus erreicht hat. Sie fand nämlich die Kaffeetassen mit der Aufschrift „Ischgloobsnisch“ und „Ochischwerbleede“ einfach genial und amüsierte sich über die Sachsensongs auf Radio PSR so sehr, dass ihr vor Lachen die Tränen kamen.

Also lautet die Message an alle: Sprecht, wie euch der Schnabel gewachsen ist und wer euch mag, der mag auch euren Dialekt!

Tschüssi!