Zeitungsschau

Trotz Internet und 200 Fernsehkanälen haben wir ganz altmodisch eine Tageszeitung abonniert. Jeden Morgen um 6.00 Uhr schlurft mein Vater hinaus in die Kälte zum Briefkasten. Den Sportteil liest mein Vater schon vor dem Frühstück, während er darauf wartet, dass meine Mutter aufsteht, nach dem Frühstück gibts dann die ausführliche gemeinsame Zeitungsschau. Ich lese meistens mal schnell nach dem Mittagessen drüber.

Ein besonderes Highlight sind immer die Karikaturen von Tomczyk – der Mann ist genial und bringt die aktuellen weltpolitischen Ereignisse mit ein paar Strichen so gut auf den Punkt.

Interessant sind natürlich immer die Lokalnachrichten – man kann ja schlecht bei der örtlichen Feuerwehr anrufen und nachfragen, wohin sie am Vorabend ausgerückt sind und was gebrannt hat  – die Zeitung gibt am nächsten Tag darüber Auskunft. Ansonsten gibt es hier nur kleinere Delikte, im Gemeinderat verklagt man sich gegenseitig und es werden regelmäßig verrückte Sammler und Leute mit ausgefallenen Hobbies vorgestellt.

Auch das unser Nachbar aus dem Pflegeheim wieder nach Hause gekommen ist (ist ja sonst immer anders herum) ist eine Nachricht wert.

Höhepunkt sind natürlich immer samstags die Geburtsanzeigen des Heliosklinikums Aue, wo man ab und an verrückte Namen lesen kann (die armen Kinder, unaussprechlicher Name und dann auch noch auf erzgebirgisch… die habens mal nicht leicht). Die Kontaktanzeigen sind langweilig- meist inseriert die Partnervermittlung „Julie“ und preist in blumigen Worten verzweifelte Junggesellen an, die wahrscheinlich bis vor kurzem noch mit Mutti zusammen gewohnt haben. Es wäre vermutlich einfacher, ein „Matchmaking-Festival“ wie in Lisdoonvarna / Irland zu veranstalten, wo einfach 3 Tage lang Jungesellenparty gemacht wird. Oder wie wäre es mit einem „Lovetrain“ wie in Neuseeland, wo paarungswillige Frauen in einen Landgasthof in den Southern Alps gefahren werden und dort auf die ledigen Landwirte der Umgebung treffen? Vielleicht bringt der Lokalteil demnächst mal, ob sich Paare tatsächlich über eine Kontaktanzeige gefunden haben.

Und zum Schluss kommen natürlich wie im wirklichen Leben auch die Todesanzeigen zur Ansicht. Es ist schon traurig, wieviele junge Leute sterben, aber auch wieviele wirklich alte Leute es mittlerweile gibt, die es trotz Krieg und Entbehrungen bis zur 100 geschafft haben.

Eine besondere Todesanzeige ist an diesem Wochenende bei uns Gesprächsstoff: Benjamin Tedard aus Brüssel bedankt sich für die Anteilnahme am Tod seiner 33-jährigen Frau Sandrine Kimfuema-Lutonadio, deren Familie wiederum aus Kinshasa (Kongo) stammt.Würden wir in einer Großsstadt leben, dann fiele so eine Anzeige überhaupt nicht auf – bei uns schon. Hier gibt es nicht viele Leute, die so multikulti sind.Deshalb fällt eine solche Anzeige natürlich besonders auf uns weckt auch die Neugierde – wie das alles zusammenhängt.

Genannt wird auch eine Familie Kosmitzki – davon gibts hier in der Umgebung nur eine, die eine Bäckerei in Schneeberg betreibt. – Vielleicht wissen die Schneeberger Saunafreunde mehr darüber, also wird die Anzeige morgen auch nochmal Thema in de Sauna sein.

… und morgen gibts eine neue Zeitung und neuen Gesprächsstoff. Montags sind übrigens immer die Sportergebnisse des Wochenendes und die Autounfälle die Hauptschlagzeilen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s