Messebesuch auf der h+h in Köln

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Auf die h+h (Hobby und Handarbeit) in Köln wollte ich schon immer mal und nun hat sich die Gelegenheit ergeben, weil wir den Messebesuch mit einem Verwandtenbesuch kombinieren konnten. Artesano sponserte freundlicherweise auch noch die Eintrittskarte, also nichts wie hin. Ich war am Samstag da, also dem mittleren Tag der dreitägigen Messe – Hardcorebesucher gehen alle drei Tage, Jäger und Sammler soll man angeblich sonntags nachmittags antreffen, wenn die Aussteller ihre Stände abbauen und nicht mehr alles wieder mitnehmen wollen.

Zunächst geht es erstmal super geordnet zu – Tagesticket mit Strichcode – Einlass 8.30 Uhr am Haupteingang, 9.00 Uhr dann am Eingang zu den Messehallen. Internationale Gesprächsfetzen rund um mich herum – viele Italiener, aber auch Japaner, Chinesen, türkische Aussteller – die Welt ist zu Besuch in Köln. Dazwischen eine nicht geringe Anzahl von Tuch-, Schal-, Pullover und Lanesplitter-Trägerinnen. Ein Mann mit Kugelbauch präsentiert stolz seinen quergestrickten Pullover – eindeutig Schoppel Zauberball in Regenbogenfarben. Hier ein „Leftie“, da ein andere Muster, das mir bekannt vorkommt. Dazwischen aufgerüschte Damen im Kostüm mit Pumps… wie die wohl den Tag überstehen? Image

Die zwei Messehallen haben jeweils zwei Etagen, die man über Rolltreppen erreicht. Schon beim Herunterfahren in Halle 5.1 lässt sich das Pensum erahnen, das ich absolvieren muss, wenn ich alle Stände sehen möchte. In 5.1. regiert das Handstrickgarn und allen voran „MyBoshi“ – die sind wirklich überall und haben sich flächendeckend auf der Messe breitgemacht. Schon im Eingangsbereich steht ein riesengroßer MyBoshi-Knäuel sowie ein gehäkelter Kaktus. Bemützte hippe junge Leute rennen überall herum, man fährt direkt auf den Stand am Fuß der Rolltreppe zu.

Aber auch die anderen Anbieter haben ordentlich aufgerüstet – Lang, OnLine, Lana Grossa, verschiedene italienische Marken… hier ist alles vertreten. Schnell wird klar, dass diese Handarbeitswelt und die Welt der Handfärbereien zwei verschiedene Universen sind. Hier regiert die Masse – klotzen statt kleckern und an den Messetagen wird der eine oder andere kleine Millionendeal abgeschlossen werden. Die Auftragsbücher liegen bereit, wuselige Verkäufer warten auf ihre Gelegenheit, den interessierten Messebesuchern ihre geheimen Bestellwünsche zu entlocken.

Ich suche meinen „Gastgeber“ Artesano und finde den geräumigen Doppelstand strategisch günstig gegenüber einer Kaffeebar. Tom und Jenny Coomber heißen mich gleich herzlich willkommen. Viel Zeit zum einem Gespräch haben wir nicht, denn heuschreckengleich fallen die Kunden in den Stand ein und bilden im zentralen Bereich kleine Trauben um den Aufsteller von „Artyarns“ herum. Warum, wird schnell klar. Diese Garn ist einfach zu schön – Pailletten und Perlen, flauschige bunte Stränge und tolle Farben. Das will natürlich jeder Händler aus der Nähe sehen und auch mal anfassen. Überhaupt haben es die Leute mit dem Anfassen… Tom winkt ab. Das ist normal, sagt er. Oft räumen die Leute für die Bestellungen erstmal das halbe Regal aus, um alles genau anzusehen und vor allem die Qualität zu befühlen. Kann ich verstehen… ich mache es ja auch nicht anders und in einem ruhigen, unbeobachteten Moment muss ich die Artyarns-Stränge natürlich auch durch die Finger gleiten lassen. Mmmm… so weich und so bling, bling. Jenny zeigt mir noch eins der neuen „Kits“ – kleine Metallboxen mit verschiedenen kleinen und einem großen Strang, farblich abgestimmt für ein Tuch. Ein kleines Schatzkästchen, dass man sich am liebsten als Dekoration in die Vitrine stellen möchte. Auch die Bündel der Alegria und Silk Blend Garne verleiten zum Anfassen und in die Aran, Alpaka und Linen Silk-Fächer möchte ich beide Hände reinstecken und einfach das Garn streicheln.

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Genug gekuschelt… ich lasse Jenny und Tom allein und mache mich auf die PIrsch nach interessanten Anbietern. Der Stand von Opal fällt besonders auf – Opal hat ihn wie einen Dschungel gestaltet – grüne Wollbobbel hängen wie Lianen von den Standsäulen und überall liegen Socken und bunte Knäule wie Blumen in tropischen Farben herum. Die Regenwald-Aktion scheint immer noch gute Umsätze und damit Spenden für das Projekt zu bringen und ist so etwas wie das Markenzeichen für Opal geworden. Image

ImageAls „Pseudofachbesucherin“ traue ich mich nicht, alles genau in Augenschein zu nehmen, um nicht den Vertretern in die Finger zu geraten, die mir gern eine LKW-Ladung Garn verkaufen würden, aber von schaulustigen Nichtkäufern genervt sind. Ich tingele von Stand zu Stand, schaue mir Modelle und Auslagen an und merke recht schnell eine leichte Reizüberflutung. Im Obergeschoss finde ich zahllose Anbieter von Kreuzstichbildern, einen belagerten Stand des OZ-Verlages, Nähmaschinen, Strickmaschinen und und und.. sogar einen Automaten für Strickzubehör gibt  es- falls mal ein Notfall eintritt. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Am Stand von Pracht Creative geht es hoch her – hier kann man günstig Bastelzubehör auch kaufen.

Nur wenige Stände bieten Kaufmöglichkeiten an und sind dementsprechend belagert. Jenny erzählt mir später, dass einige Kunden richtig gebettelt haben, um 2-3 Stränge Artyarns direkt mitnehmen zu dürfen, aber da die Vorräte begrenzt sind, wollten Tom und Jenny sie nicht direkt verkaufen, sonst ist der Stand am Samstag Nachmittag leergefegt und die Besucher am Sonntag kriegen nichts mehr zu sehen.

Um 13.00 Uhr besuche ich die Modenschau der „Initative Handarbeit“. Vor Beginn präsentiert Frau Probst-Bajak, die Leiterin der Initiative, die Zahlen der Branche und die sind echt beeindruckend – Umsätze in Milliardenhöhe und  zweistellige Zuwächse jedes Jahr. Über 60 % aller deutschen Frauen machen (wieder) Handarbeiten. Die Kunden werden immer jünger – vielleicht eben auch wegen „MyBoshi“. Ich finde das wirklich super, denn in den vergangenen Jahren waren Handarbeiten ja immer als „spießig“ und „omamäßig“ verpönt. Sie erleben eine wahre Renaissance und der Trend hält weiter an. Image

Trends gab es dann auch bei der Modenschau der verschiedenen Mitglieder der „Initiative Handarbeit“ zu sehen. Alles in allem sind die meisten Modelle eher bodenständig, ausgeflippt war nur mal eine gestrickte Latzhose, die das Model wie ein Kuscheltier aussehen ließ. Dicke Aranzöpfe, Lochmusterpullover und Strickjacken – senfgelb und petrol und wollweiß, dazu ein paar Frühlingsfarben – hübsch, aber nicht sehr aufregend neu und innovativ. Vermutlich trifft das aber den Nerv der Strickerinnen – Mode, die auch in zwei oder drei Jahren noch tragbar ist und nicht zu sehr aus dem Rahmen fällt. Wenn man sich viel Mühe beim Stricken macht, soll es ja lange tragbar sein.

Ich muss mich erstmal eine Weile setzen und treffe im Übergangsbereich in der „Schnellstrickmeisterschafts“-Lounge auf Annette aus Erfurt (knittinganni), die mit einer Wollgeschäft-Freundin unterwegs ist. Spontan beschließen wir, an der Meisterschaft teilzunehmen. In 3 Minuten sollen möglichst viele Maschen an einem Sockenschaft gestrickt werden. Suboptimal – trotz „Warmstrickens“ wollen die fremden Nadeln und das Garn nicht richtig rutschen – 140 Maschen, die Tagessiegerin bringt es wohl auf 240. Nun ja, wir können das Ganze ja nochmal üben und das nächste Mal bringe ich meine eigenen Karbonnadeln mit, die wesentlich besser flutschen. Man kann ja auch noch etwas trainieren.

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Direkt nebenan ist ein Interview mit Arne und Carlos im Gange – die beiden sympathischen Norweger haben mehrere Bücher veröffentlicht (Julekuler, Strikkedukker usw) und promoten gerade ihr neuestes Werk „Gardenstrikk“. Der Rummel ist ihnen etwas unangenehm – Sicherheit bietet das Strickzeug in der Hand, mit dem die beiden auch beim Antworten unablässig weiterstricken.

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Zurück am Artesano-Stand ist die erste Woge vorbei und Tom und Jenny genießen ein paar ruhige Minuten.Wir unterhalten uns über die Website, die Präsentation der Designs auf den Fotos und vieles andere. Mir wird klar, dass die beiden nicht nur das Garn vertreiben, sondern sich auch um Designs und Werbung, um Broschüren und Mailings kümmern. Und natürlich wollen alle Händler so schnell wie möglich ihre bestellte Ware haben. Tom ist sieht äußerst zufrieden aus – die Kunden haben gut bestellt und etliche neue Kontakte sind zustande gekommen. So soll das sein, sonst würden sich der Aufwand und sicher auch die hohen Kosten für die Messeteilnahme nicht lohnen.

Apropos hohe Kosten: Wer die h+h besucht, sollte etwas zu essen und zu trinken mitbringen. Die Preise sind eindeutig überteuert und die Qualität des Essens ist eher Kantinenniveau. An einigen chinesischen Ständen haben sich deshalb die Händler was vom „Chinesen“ liefern lassen.

Ich freu mich jetzt aufs Wollefest – nicht nur, weil man dann schon wieder Wolle anfassen kann, sondern auch, weil man ohne Tarnmantel und unauffällig wie ein Geheimagent zu den Ständen gehen kann. Vor allem aber – man kann direkt einkaufen. Außerdem gibts auf dem Wollefest viel mehr schöne Stricksachen zu sehen und Gespräche mit netten Trägerinnen.

Trotzdem – wer die h+h mal besuchen möchte und eine Eintrittskarte bekommt – es lohnt sich!

 

 

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4 Gedanken zu „Messebesuch auf der h+h in Köln

  1. Pingback: h+h Köln 2014 | Zeenas Wollfühloase

  2. Pingback: h+h Köln 2014 – Zeena

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