Tücher spannen – so gehts!

Ein gespanntes Krokustuch in ganzer Schönheit.

Ein gespanntes Krokustuch in ganzer Schönheit.

Tücher und allgemein Stricksachen zu spannen mag lästig sein, aber es bringt die volle Schönheit des Musters erst richtig zur Geltung, das beim Stricken oft noch verborgen ist. Lacemuster entfalten sich besonders beeindruckend, kleine Unebenheiten im Gestrick verschwinden, aus einem kompakten Maschenbild wird ein luftig zarter Traum und ein kleines Tuch hat plötzlich eine ansehnliche Größe.

Leider muss man immer wieder spannen, wenn man das Strickstück erneut wäscht, aber bei Tüchern und Oberbekleidung ist häufiges Waschen gar nicht so oft nötig wie oft gedacht.

In vielen Anleitungen wird bei „Fertigstellung“ geschrieben, man solle das Strickstück einfach anfeuchten. Ich persönlich wasche es lieber, denn ich nehme das Strickstück oft mit bzw. hat man manchmal auch etwas unsaubere Hände oder das Garn hat einen eigenartigen Geruch. Sanft mit Wollwaschmittel oder Shampoo gewaschen, gut gespült und in einem Handtuch vorsichtig ausgedrückt macht das Spannen des gut duftenden Tuches richtig Spaß.

Lace mit Perlen - wunderschön zu sehen erst durch das Spannen.

Lace mit Perlen – wunderschön zu sehen erst durch das Spannen.

Zum Spannen eignen sich verschiedene Unterlagen. Ganz professionelle Strickerinnen haben spezielle Moosgummimatten, man kann jedoch auch Puzzlematten für Kinder oder einfach en Teppichboden nehmen. Ich spanne meine Sachen immer auf der Matratze des Gästebettes und lege ein Badetuch unter. Nimmt man ein gestreiftes oder kariertes Badetuch, so kann man das Muster gleich als Hilfslinien für gerade Kanten verwenden.

Man benötigt außerdem jede Menge Stecknadeln. Es gibt auch spezielle T-Pin-Nadeln, die jedoch relativ dick sind und evtl. schwer in die Unterlage eindringen können. Gut geeignet sind große Stecknadeln, die man im Klöppelzubehörhandel findet. Sie sehen aus wie überdimensionale Stecknadeln.

Hier wurden ausnahmsweise auch einmal Socken gespannt. (Muster: Blathnat)

Hier wurden ausnahmsweise auch einmal Socken gespannt. (Muster: Blathnat)

Bevor wir anfangen noch ein wichtiger Tipp: Unbedingt darauf achten, dass wirklich locker abgekettet wird, denn eine zu enge Kante wird auch durch das Spannen nicht weiter und es sieht dann nicht schön aus. Gerade bei Mustern mit Spitzen funktioniert das Spannen überhaupt nicht und das ist nach der Mühe des Strickens sehr enttäuschend.

Wichtig ist auch, dass sich Strickstücke zwar in eine beliebte Form ziehen und spannen lassen, diese aber nicht behalten, wenn nicht die Strickerei bereits so angelegt ist. Man kann also zwar nach oben oder unten einen Bogen spannen, jedoch wird dieser ist wieder begradigen, wenn das Strickstück eigentlich eine gerade Kante hat.

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Bei diesem Birdfoot Fern Tuch ist oben eine gerade und unten ein Bogen.

Und nun gehts los… je nach Tuchform fängt man mit einer gerade Kante (z.B. der langen Kante des Dreiecktuches) oder mit zwei Ecken (bei gebogenen Tüchern) an. Die Stecknadeln schräg gegen die spätere Zugrichtung stecken, damit sie nicht beim Ziehen „umkippen“.

Die Gerade mit möglichst vielen Nadeln befestigen, je mehr, desto gerader wird die Kante später. Dabei das Gestrick auf die gewünschte oder maximale Länge dehnen.

East Gable Shawl, hier sieht man die gerade Kante und die Spitzen, die mit Hilfe von Spannstäben fixiert wurden, sehr gut.

East Gable Shawl, hier sieht man die gerade Kante und die Spitzen, die mit Hilfe von Spannstäben fixiert wurden, sehr gut.

Alles befestigt? Dann geht es mit der gegenüberliegenden Seite weiter. Bei Dreiecken zieht man die Spitze bis zum maximalen Punkt und steckt sie fest (gern mit zwei Nadeln, denn hier ist der größte Spannungspunkt). Bei anderen Tuchformen fängt man ebenfalls in der Mitte an (Ausnahme sind gerade Schals, hier kann man an der Ecke anfangen und sich parallel zur ersten Kanten vorarbeiten).

Die Blattspitzen des Semele-Tuches sind ausgezogen, dazwischen kommen die "Leitern" zum Vorschein..

Die Blattspitzen des Semele-Tuches sind ausgezogen, dazwischen kommen die „Leitern“ zum Vorschein.

Beim Ausziehen des Gestricks sollte man nicht zimperlich sein, allerdings nicht ruckartig ziehen, sondern mit gleichmäßigem Zug dehnen, bis die Maximaldehnung oder die gewünschte Breite erreicht ist. Nun jeweils immer die Mitte der Kante dehnen und feststecken, also erst auf der Hälfte der Kante, dann die Viertel usw., bis die Kante komplett angepinnt ist. Sind im Muster Bogen oder Spitzen vorgesehen, dann steckt man diese auf die gleiche Weise nacheinander fest. Oft verschiebt sich die erste Kante etwas, wenn die zweite Kante gepinnt wird. Dann die ersten Nadeln nochmals nachkorrigieren.

Mit Spannstäben ausgezogene Seiten des Haselnuss-Tuches, oben hat das Tuch eine Rundung.

Mit Spannstäben ausgezogene Seiten des Haselnuss-Tuches, oben hat das Tuch eine Rundung.

Detail - ausgezogene kleine "Haselnuss-Spitzen"

Detail – ausgezogene kleine „Haselnuss-Spitzen“

Ist die Form zufriedenstellend, dann einfach trocknen lassen und dann die Nadeln wieder entfernen. Je nach Garn kann dies einige Stunden oder Tage dauern. Nicht zu empfehlen ist es, das Gestrick zu dämpfen, da die Maschen dabei platt gedrückt werden und nicht mehr plastisch sind. Es besteht auch die Gefahr, empfindliche Garne zu versengen und damit das wertvolle Stück zu ruinieren.

Man kann auch Spannstäbe benutzen – Draht oder dünne Karbonstäbe von 1-2 mm Durchmesser. Diese erleichtern das gleichmäßige Ausziehen des Gestricks, ersetzen aber nicht die Nadeln, die reichlich verwendet werden sollten.

Ist die letzte Nadel entfernt, dann ist es geschafft und das Strickstück ist fertig zum Tragen und zum Bewundern.

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