Sprechen Sie sächsisch?

Mit Dialekten ist es ja so eine Sache. Entweder man mag es oder findet es ganz schrecklich. In den letzten 20 Jahren wurde sächsisch eher mit scheußlich assoziiert, heute ist es fast schon Kult. Uns „Eingeborenen“ fällt es eigentlich nicht so auf, denn hier sprechen alle irgendwie Dialekt – ob das klassische „Dräsdn“ oder „Leipsch“-sächsisch oder das melodiösere Erzgebirgisch und Vogtländisch, die sich ans Fränkische und Bayrische annähern. Hier spricht keiner Hochdeutsch – und wenn, dann sagen alle: „Dr red fein“.

In meinen Jahren in den „gebrauchten Bundesländern“ wurde ich wegen meines erzgebirgischen Dialektes häufig ausgelacht bzw. fand man das immer so „niedlich“. Das nervte ordentlich, denn ich wollte nicht, dass mein Chef den (im Dialekt geführten) Telefonaten mit meiner Mutter lauschte oder, was noch schlimmer war, dass ich nachgeäfft wurde. Es war mir nicht direkt peinlich, aber irgendwie gewöhnte ich mir viele Dialektworte ab.

Auch im Erfurter Callcenter war Dialekt verpönt bzw. wurden besonders hartnäckige Heimatsprachler zum Logopäden zitiert, der die korrekte Aussprache von „ägyptischen Tempeln“ mit den Telefonisten übte. Darüber hatte sich nämlich mal ein Kunde aus dem Ruhrgebiet beschwert, der „ägibdische Dembel“ nicht verstand. (schade, dass ich diesen Herrn nicht am Telefon hatte, sonst hätte ich mir mal erklären lassen, warum in Nordrhein-Westfalen alle „nach Aldi“ oder „hömma“ sagen und ob das so korrekt ausgesprochen wird?).

Eine weitere Todsünde war das beliebte Wort „Tschüssi“. Das ging gar nicht und wurde sofort abgestraft. Komischerweise ertappe ich mit heute dabei, dass ich es ziemlich oft verwende, aber ich arbeite ja auch nicht mehr in Moers, Köln oder Erfurt.

Spätestens seit dem letzten Besuch meiner Freundin aus Bremen ist mir klar geworden, dass sächsisch wirklich Kultstatus erreicht hat. Sie fand nämlich die Kaffeetassen mit der Aufschrift „Ischgloobsnisch“ und „Ochischwerbleede“ einfach genial und amüsierte sich über die Sachsensongs auf Radio PSR so sehr, dass ihr vor Lachen die Tränen kamen.

Also lautet die Message an alle: Sprecht, wie euch der Schnabel gewachsen ist und wer euch mag, der mag auch euren Dialekt!

Tschüssi!

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