Ein Genie beherrscht das Chaos

Ich bekomme nach längerer Zeit heute nachmittag mal wieder Besuch bei mir zu Hause. Ein Bekannter, mit dem ich Internetsachen mache, kommt erstmalig vorbei. Grund genug, mal wieder aufzuräumen. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass ich ein wirklich unordentlicher Mensch bin.

Freunde und Bekannte, die schon mal bei mir waren, werden aber das Gegenteil behaupten. „Bei dir ist so schön aufgeräumt“ oder „Man merkt, dass du keine kleinen Kinder hast“. Deshalb bin ich aber kein ordentlicher Mensch, sondern nur talentiert darin, meine Wohnung präsentabel zu machen. Das funktioniert aber nur, wenn der Besuch angekündigt wird. Mit 1-2 Stunden Vorlauf (und einem unzugänglichen Zimmer) kann man richtig viel Eindruck schinden, indem man einfach alles zusammenrafft und auslagert. Dann noch eine nette Tischdecke, ein paar Blumen, die Sofakissen aufschütteln und – Voila, der Besuch kann kommen.

Zwischen „präsentabel“ und „ordentlich“ besteht also ein gravierender Unterschied. Präsentiert wird der schöne Schein, ordentlich wäre es, wenn jedes Ding seinen Platz hätte und nach Gebrauch direkt weggeräumt würde.

Das kann ich leider nicht (und meine Mutter übrigens auch nicht). Ich bin bis zu einem gewissen Grad chaosresistent – es stört mich nicht, wenn das Sofa langsam mit Wolle zuwächst (Solange meine Ecke frei bleibt), sich im Schlafzimmer Klamotten stapeln oder in der Küche ein paar Konservendosen den Küchentisch verschönern. Auch Wollkörbe kann ich im Arbeitszimmer gut ab – man muss nur drübersteigen. (ist ja Sport).

Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Messie, denn Schmutz mag ich nicht oder angegammeltes Geschirr usw. steht bei mir auch nicht herum. Es ist einfach nur unordentlich. Ich räume regelmäßig auf, dazwischen wächst und wuchert es wieder zu.

Zwei oder dreimal ist es mir allerdings passiert, dass unangemeldet Besuch kam und die das komplette Ausmaß meiner Unordentlichkeit zu Gesicht bekamen. Das war zugegeben sehr peinlich und ich habe innerlich Besserung gelobt. Lang angehalten hat es jedoch nicht.

Da mein Bekannter ein Mann ist, wird er sicher viele Sachen gar nicht so sehen (zum Glück) bzw. interessiert ihn mein Wollkorb wohl weniger, als es z.B. seine Frau interessieren würde. Also reicht „Präsentabel Stufe 2“ aus – ein bisschen bewohnte Unordentlichkeit, alles Wesentliche sicher im Nebenzimmer verstaut.

Am Wochenende gehen wir dann mal zu „Ordentlich Stufe 3“- also Klamotten sortieren, herumstehendes wegräumen, aber nicht in die Tiefe der Schränke gehen. Wenn der nächste Hilfstransport in Richtung Rumänien geht, gehe ich zu „Ordentlich Stufe 2“ über und miste mal den Kleiderschrank aus. Für „Ordentlich Stufe 1“ müsste ich meine Wohnung mal renovieren.

Das geht aber für einen normalen Besucher etwas zu weit, oder? Staubsaugen reicht auch!

 

 

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2 Gedanken zu „Ein Genie beherrscht das Chaos

  1. Schön geschrieben! Ich würde mich bei Dir wie zuhause fühlen :o) Bei nicht angekündigten Besuchen kriege ich immer Schweissausbrüche 😉

  2. Das könnte mein Text sein! :-))) Alles – fast alles – was du schreibst, trifft auf mich … und meinen GöGa zu. *lach*
    In unserem Hausflur hängt übrigens ein Schild: “ Wo ich bin herrscht Chaos – aber ich kann nicht überall sein “
    LG
    Gittilein

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