Tipps zur Verarbeitung selbstgefärbter Garne

IMG_0632Viele werden es kennen:  Man kauft einen wunderschön gefärbten Strang in leuchtenden Farben und freut sich auf genauso leuchtende, wunderschöne Socken. Dann wickelt man den Strang und es sieht schon nicht mehr so leuchtend aus. Beim Stricken gefällt die Farbverteilung im Gestrick überhaupt nicht mehr und das Endergebnis ist nicht halb so schön und strahlend wie der Strang. Woran liegt das?

Betrachtet man handgefärbte Stränge näher, so stellt man fest, dass die einzelnen Farbabschnitte ganz unterschiedlich groß ausfallen, die Übergänge zwischen den Farben mehr oder wenige schön verlaufen oder exakt abgegrenzt sind.

Pro Runde mit 60 Maschen benötigt man ungefähr einen Meter Garn (nur als Mittelmaß, es kann natürlich mehr oder weniger sein), d.h. um einen Ringel zu erzielen, muss mindestens ein Meter Garn in einer Farbe gefärbt sein.Wenn nun der Strang durchschnittlich 85 cm Länge = 170 cm Umfang hat und mit zwei Farben jeweils zur Hälfte gefärbt ist,  dann müssen sich rein mathematisch immer wieder ungefähr 35 cm Garn in der gleichen Farbe wieder treffen, also ungefähr ein Drittel der Maschen. Fleckenbildung ist da unausweichlich. Anders sieht es natürlich aus, wenn der Strang zu 2/3 in einer Farbe und nur zu einem Drittel in einer anderen Farbe gefärbt wurde oder einen anderen Umfang hat.

Je mehr Farben der Strang hat bzw. je kürzer die einzelnen Abschnitte sind, desto mehr verteilen sich die Farben im Gestrick. Dunkle Farben dominieren über helle – der hellgelbe Zipfel des Stranges wird also im Garn verteilt und teilweise einfach verschluckt. Deshalb verschwindet oft die Leuchtkraft, die das geballte Hellgelb des Stranges natürlich noch hatte.

Gegen die Fleckenbildung („Poolen“) lässt sich nur begrenzt etwas tun – im Buch „Knitting Socks with Handpainted Yarn“ von Carol Sucolski werden viele Tipps gegeben, wie man dem Poolen entgegenwirken kann. Das reicht von Mustern mit unterschiedlicher Maschenzahl pro Reihe bis hin zum Stricken mit zwei Knäueln usw. Man kann auch mit optischen Tricks, z.B. diagonalen Zugmaschen arbeiten. Es sind einige schöne Muster drin, die man mal ausprobieren kann.

Manchmal hilft es schon, nochmal neu mit einer kleineren Nadelstärke und dafür ein paar Maschen mehr anzufangen oder ein Stück vom Garn zu überspringen (eine Schlinge machen und drei Maschen überlappend stricken, die Schlinge später aufschneiden und die Fäden einweben).

Bei diesen Socken sieht man das Phänomen ganz deutlich – de drei linken Paar wurden mit jeweils 60 Maschen gestrickt, der rechte Socken mit 56 – hier poolt das Garn fast zu senkrecht verlaufenden Streifen am Bein – nach der Ferse ringelt es wieder, da die Maschenzahl zwischendurch verändert wurde.

Fransenrand der One Love Socks, Design by Claire Ellen

Natürlich lassen sich solche  Effekte auch positiv nutzen, wie hier z.B., um einen Fransenrand mit verschieden- farbenen Fransen zu erhalten.

Schöne Effekte ergeben sich auch durch Zugmaschen oder Hebemaschen bzw. Muster, die langgezogene Maschen beinhalten. Hier wird die statische Verteilung des Garnes aufgehoben und gleichzeitig schöne Muster erzielt.

Pusteblumensocken, Design by Ina Rockenhaeuser

Als Beispiel hier die „Pusteblumensocken“ aus einem bunt gefärbten Garn mit langen, durchgezogenen Maschen.

Kleine, filigrane Muster sollte man mit wild gemustertem Garn nicht stricken – sie gehen in der unruhigen Farbe verloren. Hier bieten sich solide oder semisolide Ton-in-Ton-Färbungen an, bei denen nicht das Garn, sondern das Muster im Mittelpunkt stehen.

Weitere Beispiele gibt es in Kürze in meiner Galerie zu sehen.

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